| Fünf Bausteine für den Markterfolg
Rohfassung von Thomas
Lüthi
Mit der Wirtschaft geht
es aufwärts. Steigende Umsätze, höhere Gewinne, weniger Arbeitslose
und Insolvenzen sind eindeutige Indizien dafür. In diesem Sog zieht
es auch die Holzbranche mit - viele Bereiche erzielen Wachstumsraten
von 20 Prozent und mehr.
Sind wir also über den
Berg? Keinesfalls:
Innovation, Kostenbewusstsein und Marktkenntnisse sind wichtiger denn
je!
Innovative Produkte,
neue Märkte und moderne Technologien verleiten zu Investitionen.
Anstatt sich jedoch blindlings in Abenteuer zu stürzen ist es
unbedingt notwendig, die Zukunft des eigenen Unternehmens auf einer
breit abgestützten Strategie aufzubauen. Die Zeit, in der jeder
produzieren kann was er will, ist leider vorbei. Stagnierende
Marktpreise bei steigenden Rohstoff- und Fertigungskosten reduzieren
die Spanne auf ein Minimum, vor allem bei austauschbaren Produkten wie
z.B. Schnittholz oder andere Halbfabrikate.
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5 Bausteine für
den Markterfolg |
Aber auch in anderen
Branchen, die hier etwas mehr Spielraum zur Verfügung haben, gilt der
Grundsatz: "Erfolg kommt nicht von selbst, er kann aber
geplant werden!" Eine optimale Positionierung und der
Erfolg am Markt kann erarbeitet werden - mit fünf Bausteinen für den
Markterfolg:
Analyse
Als erstes gilt es,
durch umfangreiche Analysen das entsprechende Basiswissen zu
erarbeiten. Folgende Fragen gilt es zu erörtern, resp. die
entsprechenden Ergebnisse zu erarbeiten:
- Wie steht mein Unternehmen
im Gesamten da? Wie ist es organisiert, wie geführt; wie läuft
das Informationswesen (Informationsfluss, Informationszugriff);
welche Geschäftspolitik herrscht, welchen Grundsätzen wird
gefolgt; wie steht es mit den Mitarbeitern (Qualifikation,
Geschäftsinteresse)?
- Welche Produkte werden
hergestellt? Wie ist die Qualität, der Markt- und Verkaufspreis,
welche Produkte sind kostendeckend (Kostendeckungsgrad), wie gross
ist das Lager, wie innovativ sind meine Produkte, sind es
Nischenprodukte oder Standardware; wie ist die
Rohstoffbeschaffung, wo liegt die Ausbeute?
- Wie präsentiert sich die Marktsituation,
wie sind die Trends? Welche Chancen, Gefahren und
Risiken birgt der Markt, wie wird er sich in Zukunft entwickeln
(neue und bestehende Produkte, Preise); habe ich die richtigen
Kunden?
- Produktion
und Technologie: nach welchem Verfahren wird
produziert, wie ist der technische Stand der Maschinen und
Werkzeuge; der Automatisierungsgrad; wo liegen Schwachstellen und
Rationalisierungsreserven, wie hoch ist die Verfügbarkeit?
- Wie präsentiert sich die Kosten-Situation?
Wie hat sich das Betriebsergebnis in den letzten Jahren
entwickelt; wie die einzelnen Geschäftseinheiten; wo fallen hohe
Kosten an, wie präsentieren sich Kennzahlen (Rohstoffpreise,
Herstellkosten je Einheit, Stundensätze, Produktivität)?
- Wo liegen die Vor- und Nachteile der
Konkurrenz? Wie wird sich die Konkurrenzsituation
entwickeln, gibt es Kooperationen und sind diese sinnvoll?
- Umwelt
-Analyse:
welchen Einfluss hat die soziale (Daten zur Bevölkerung,
Gewohnheiten, Politik und Gesetze), die wirtschaftliche (Konjunktur,
Markt, Aussenhandel, staatliche Eingriffe) und die ökologische
(Rohstoff- und Energieversorgung, Umweltschutz) Umwelt auf mein
Unternehmen und wie werden sie sich entwickeln?
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Portfoliodarstellung
der Produkte: Umsatzvolumen je Produkt/Produktgruppe mit
Darstellung der Marktattraktivität und Stärke/Schwäche.
Daraus ergibt sie die entsprechende Marktstrategie je Produkt. |
Auswertung
Die nun vorliegende
Fülle von Daten und Informationen gilt es auszuwerten und
entsprechend darzustellen. In einem Stärken/Schwächen-Profil werden
die Stärken, Chancen und Vorteilen, sowie Schwächen, Gefahren und
Nachteile nach Bereichen geordnet dargestellt.
Leitbild/Visionen
Der turbulente
Unternehmeralltag verlangt täglich rasche Änderungen und
Anpassungen. Flexibilität ist einer der wichtigsten Faktoren eines
Unternehmens, um überleben zu können. Doch diese rasch wechselnden
Bedingungen führen oft zu Verunsicherungen der Betriebsleitung und
der Mitarbeiter. Das Leitbild soll diesen Tendenzen entgegenwirken.
Es baut auf der Basis
des erarbeiteten Wissens auf (Stärken/Schwächen-Profil), wobei auch
Visionen, die durchaus hochgegriffen sein können und bis jetzt noch
nicht beachtete Aspekte beinhalten dürfen, einfliessen. Fragen wie
"wie soll mein Unternehmen in 5 Jahren aussehen?" oder
"welche Stellung soll das Unternehmen dann am Markt haben?"
helfen, das Leitbild zu formulieren.
Strategie/Ziele
Nachdem mit dem
Leitbild festgelegt wurde, wie das Unternehmen künftig aussehen soll,
geht es nun um die Frage, wie dies erreicht werden kann. Sind die
dafür notwendigen Mittel, das entsprechende Wissen und die Kompetenz
vorhanden? Wo besteht Handlungsbedarf und welche Stärken müssen
ausgebaut werden? Auf welchem Markt sollen welche Leistungen angeboten
werden und welche Märkte gilt es neu zu erschliessen?
Die Ziele müssen klar
definiert werden:
- Ziele in den hergestellten
Produkten, in der Preisgestaltung
- Ziele in der Produktion
- Ziele bei den Mitarbeitern, der
Geschäftsführung und der Kommunikation
- Ziele im Vertriebsweg
- Ziele in der Präsentation,
Marketing und Werbung
Massnahmen
Erst jetzt dürfen
Massnahmen - die richtigen Massnahmen - ergriffen
werden! Investitionen, Produktentwicklung und Marktbearbeitung sind in
der Regel mit hohen Kosten verbunden und sollen deshalb den
entsprechenden Nutzen bringen.
Leider zeigt die
Praxis, dass gerade dieser Schritt oft zu schnell und unüberlegt
durchgeführt wird: es wird in Maschinen investiert, ohne klare
Strategie, ohne sich der Konsequenzen (Kosten, Produktionsmenge,
Rohstoff) bewusst zu sein und ohne auf veränderte Marktbedürfnisse
Rücksicht zu nehmen. Anpassungen sind in diesem Zeitpunkt nur mehr
mit zusätzlichen hohen Kosten möglich, während mit einem
entsprechenden Konzept zu Projektbeginn flexibel und kostengünstig
reagiert werden kann (vgl. Grafik).
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Je weiter der
Projektfortschritt, desto geringer wird die Flexibilität bei
Änderungen und desto höher liegen die dafür nötigen Kosten. |
Lumplecker
Holzindustrieberatung
Seit 1986 beschäftigt
sich die Firma Lumplecker Holzindustrieberatung GmbH mit diesen
Themen. Zum Kundenkreis zählen Betriebe mit handwerklicher und
industrieller Fertigung wie Säge-, Leimholz- und Hobelwerke,
Fertighausbetriebe, Zimmereien und Holzbauunternehmen, Türen-,
Fenster- und Möbelhersteller.
Die Erfolge sind
beachtlich: so entstanden in den letzten Jahren zahlreiche innovative
und marktorientierte Unternehmen in allen Bereichen der Holzbranche.
Beispielsweise geht in wenigen Wochen das wohl modernste
Hartholz-Plattenwerk Europas in Produktion. Produziert werden
auftragsbezogen einschichtige Massivholzplatten, vor allem für den
Stiegenbau. Die Ausgangslage war jedoch eine ganz andere, der
bestehende Betrieb hätte um eine Dreischicht-Plattenproduktion
ergänzt werden sollen. Eine detaillierte Analyse des Marktes, der
Kunden, der Produkte und des Unternehmens hat frühzeitig von der
ursprünglichen Idee auf das jetzt vorliegende Konzept umgeschwenkt
und somit einer Fehlinvestition vorgebeugt.
Ein steirisches
Sägewerk plante, in ein Werk zu Herstellung von Leimholz (KVH,
Duo-/Trio-Balken, BSH) zu errichten. Eine umfangreiche Marktrecherche
der Lumplecker Holzindustrieberatung GmbH in Österreich, Deutschland,
Italien und in der Schweiz hat aufgezeigt, dass der Leimholzanteil von
derzeit 20% des gesamten Konstruktionsholzes bis in wenigen Jahren auf
50% ansteigen wird. Trotz diesen guten Marktchancen wurde von einer
Investition abgesehen, da die Feasibilitystudie klar machte, dass die
hohe Investition, die zur kostengünstigen Produktion und zur
Sicherung der Qualität (Normen, Ü-Zeichen) nötig ist, ein zu hohes
Risiko darstellt. Zudem hätten 80% des benötigten Schnittholzes
zugekauft werden müssen. Die Firma konzentriert sich nun auf die
bestehenden SGE’s und plant so ihren Markterfolg.
Ein weiteres Beispiel
ist ein ostösterreichisches Holzbauunternehmen: die Idee, vom
Schnittholz weg das komplette Haus zu produzieren erwies sich zwar aus
betriebswirtschaftlicher (Einsparung von Logistik- und Verkaufskosten)
und technischer (Qualität, Arbeitsfluss, Flexibilität,
Schnittholzausnutzung) Sicht als richtig, die Produktvielfalt in
Block-, Blocktafel- und Riegelbauweise bei Neu- und Ausbau, Ein- und
Mehrfamilienhausbau, mehrgeschossiger Bauweise und öffentlichen
Gebäuden bedingt aber eine riesige Produktpalette und hohe
Investitionen. Zudem hätte es seine eigenen Kunden (Verkauf der
Halbfabrikate) durch die Errichtung von Objekten konkurrenziert. Das
Unternehmen investiert nun in Beratung, Verkauf, Planung und
Errichtung von individuellen Objekten, die Halbfabrikate werden von
Kooperationspartnern geliefert. Die Grundidee wird so mit reduziertem
Risiko und Konzentration auf die Kernkompetenzen umgesetzt.
Schritt für Schritt
wurden bei den oben dargestellten Beispielen die fünf Bausteine
erarbeitet und somit der Markterfolg minutiös geplant, resp. ein
Scheitern am Markt frühzeitig erkannt und verhindert.
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